Sommerpause
28.07. – 26.08.2019

Linda Christanell
Fenster

OKEY-DOKEY III
Kuratiert von Fatima Hellberg & Steven Cairns

6. Juli – 31. August 2019
Eröffnung: 5. Juli, 18 – 21 Uhr

  • Linda Christanell, Fingerfächer, 1975/82 (Filmstill). Courtesy die Künstlerin

Energie, die in Dinge fließt – Schmuck ist Schutz – numinos – Mysterium des Erschreckens und der Faszination. Die Intensität der Inszenierung provoziert eine Story zwischen Erotik und Verletzung.
Linda Christanell

Die in Wien lebende Künstlerin und Filmemacherin Linda Christanell arbeitet seit Mitte der sechziger Jahre medienübergreifend - ihr Werk ist ein umfassendes, aber selten gezeigtes, das durch seine unverwechselbare innere Logik und Bildwelt zusammengehalten wird.

Christanells Praxis dreht sich fortlaufend um die Faszination für Objekte als Träger von Obsessionen, die Energie als Fetisch produzieren und kanalisieren. Ihre Filme und Fotografien enthalten Symbole und Schmuckstücke, die betrachtet, arrangiert, animiert und neu kodiert werden. In den Kompositionen werden die Bedeutung und Kraft der Objekte sowohl bestätigt, als auch in die und aus den Kategorien Begehren, Erotik und Gewalt gedrängt.

Einen Fokus der Arbeiten in der Ausstellung bildet Christanells immer wiederkehrende Faszination für Vouyeurismus und Verheimlichung - das mechanische Auge der Kamera, das mit ihrem eigenen Blick und dem des Zuschauers verschmilzt und der Austausch von Energien zwischen den unterschiedlichen Betrachtungsebenden. Eine Form der Intimität des Schauens, die in Christanells Arbeitsweise weiter entwickelt wird: Ihr Filmemachen nimmt die Form einer solitären Praxis an, in der Szenarien, Formen und Erzählungen von ihr aufgebaut und orchestriert werden.

FINGERFÄCHER ein Film, der flackert und sich in der Perspektive verschiebt, sich zwischen Distanz und Nähe bewegt, an etwas zwischen Macht und Aneignung erinnert, was unfassbar ist - "einen Film, für den es keine Worte gibt". In ALL CAN BECOME A ROSE ist der unverwechselbare DIY-Geist von Christanells Praxis zu spüren, ein Vergnügen am Machen, das sich auf nichtlineare Weise zwischen Begehren und einem fein artikulierten Gefühl der Dunkelheit bewegt. Hier erscheint ein wiederkehrendes Motiv aus Christanells Werk: ein Blick auf die Hand der Künstlerin mit einer kristallköpfigen Hutnadel. Die Schmucknadel glimmert und bewegt sich, während sie in die Haut eindringt - ein Bild von schimmernder Härte und Durchlässigkeit. Neben den Filmen werden Fotografien der Künstlerin, darunter auch ihre neu konzipierte Arbeit FOR YOU (2019), ausgestellt.

Linda Christanells (*1939 Wien, Österreich) Frühwerk lag vor allem in den Bereichen Fotografie und Performance, bis sie sich Mitte der 1970er Jahre dem Film als primärem Medium zuwandte. Christanell war Mitglied der Austria Filmmakers Cooperative (1982), des Künstlerhauses Wien (1982), der Autorenversammlung in Graz (1984) und Gründungsmitglied von Intakt (1977). Zuletzt wurde Linda Christanell in Ausstellungen im Belvedere 21, den Filmfestspiele Wien und Oberhausen gezeigt. Im Jahr 2015 erhielt sie den Preis für Bildende Kunst der Stadt Wien.
Linda Christanells Solo-Show ist Teil von Fenster, einer Ausstellung an acht verschiedenen Standorten in Düsseldorf und Köln, zur diesjährigen Ausgabe von OKEY DOKEY. Die Schau zeigt unterschiedliche künstlerische Praktiken, die die Idee der Betrachtung, des Voyeurismus und der Adaption aufnimmt und sich mit dem Körper als Projektionsfläche auseinandersetzt.