Herbert Hoffmann
1919 - 2012
In der internationalen Tattoo-Szene genoss der im Sommer 2010 verstorbene Herbert Hoffmann (* 1919) seit längerem den Status einer Legende, vor allem durch sein Schaffen in der 1961 von ihm eröffneten Tätowierstube in St. Pauli, der „Ältesten Tätowierstube Deutschlands“. Nun kann sein Name auch in ausgeweitetem Kunstkontext vernommen werden. Denn im Herzen war Herbert Hoffmann immer ein Sammler: ein Sammler von Motiven, von Menschen und ihren Geschichten. Ein Sammler von Biografien. Als Werkzeug diente ihm seine Kamera, seine Arbeiten zeigen Portraits tätowierter Menschen, die zwischen 1878 und 1952 geboren sind. Viele Jahre hat der Hamburger die Tätowierten dieser Generationen fotografiert und ihre Lebensgeschichten notiert. Mit seinen einzigartigen Fotos nimmt der Amateurfotograf Hoffmann den Betrachter mit auf eine Zeitreise zurück ins Nachkriegsdeutschland und gewährt einen faszinierenden Einblick in ein Kapitel verdrängter Kulturgeschichte von Menschen am Rande der Gesellschaft. Allein als Fotograf hat sich Hoffmann nie betrachtet – das geben auch seine schwarz-weißen Portraits wieder, denn dem Beobachter entschließt sich beim Betrachten seiner Bilder ein Blick jenseits des einfachen Modell-Fotograf-Verhältnisses: Hoffmann zeigt sein Gegenüber direkt, unverschlossen, auch mal schonungslos, immer aber mit Respekt, Sympathie und Würde. Die von ihm verfassten Begleittexte enthüllen die Lebensumstände des Sujets, beschreiben das erste gemeinsame Treffen oder erzählen eine Anekdote aus dem Leben der portraitierten Person. Das Ergebnis ist ein umfassendes „Fototagebuch“, dessen Einträge, vorrangig zwischen den 50er und 70er Jahren entstanden, als wahre Zeitdokumente fungieren. Sujetwahl, Systematik wie auch Dichte seines Werkes lassen demzufolge leicht auf Parallelen zum Schaffen August Sanders schließen.
Herbert Hoffmann wird 1919 in Freienwalde, Pommern geboren. Er besucht die Schule in Berlin und verbringt seine Lehrjahre in Stettin. Zum Kriegsdienst eingezogen, kehrt er 1949 nach vierjähriger Kriegsgefangenschaft in Lettland nach Deutschland zurück, wo er erst im Alter von 30 Jahren die Tätowierung „am eigenen Leibe“ erlebt.








